Am 12. August 2026 greifen zentrale Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung, kurz PPWR. Ab dann muss jedes Unternehmen, das Verpackungen in der EU in Verkehr bringt, belegen können, was in diesen Verpackungen steckt. Nicht ungefähr, sondern nachweisbar, pro Verpackung, mit Konformitätserklärung.
Das klingt nach einem Regulierungsthema. In der Praxis ist es ein Datenthema.
Wer sich anschaut, wie Verpackungsdaten in Unternehmen heute tatsächlich vorliegen, findet selten eine gepflegte Datenbank. Man findet PDF-Spezifikationen von Lieferanten, Excel-Listen in drei Versionen, Angaben in E-Mail-Anhängen und Datenblätter, die seit Jahren niemand angefasst hat. Jedes Lieferantendokument sieht anders aus. Die Information ist irgendwo da, aber niemand kann sie auf Knopfdruck zusammenführen. Genau daran scheitert Konformität viel häufiger als am fehlenden Willen.
Was der Compliance Compass macht.
Für dieses Problem gibt es seit der Interpack 2026 ein Werkzeug: den PPWR Compliance Compass, entwickelt von der Brancheninitiative R-Cycle gemeinsam mit den Verpackungsrechts-Spezialisten von TILISCO. Die KI-Schicht darin kommt von uns. Sie übernimmt die Arbeit, die vorher Fachleute mit Copy-and-paste erledigt haben:
Sie liest Verpackungsdaten aus den Quellen aus, die es wirklich gibt, also PDFs, Tabellen, Spezifikationen und Lieferantendokumenten in allen Formaten. Sie prüft die Daten auf Vollständigkeit gegen die PPWR-Anforderungen; ein Ampelsystem zeigt, wo Lücken sind. Fehlende Angaben lassen sich direkt aus dem System beim Lieferanten anfordern. Die KI ordnet außerdem alle daraus entstehenden Artikel automatisch zu, sodass jede Verpackung ihrem Datensatz zugewiesen bleibt. Und wenn alles vorliegt, erzeugt das System die Konformitätserklärung automatisch.
Der Unterschied zu einem Beratungsprojekt: Das läuft nicht einmal, sondern dauerhaft. Kommt eine neue Lieferanten-Spezifikation, wird sie eingelesen wie die davor. Ändern sich die regulatorischen Anforderungen, wächst das System mit.
Warum mich das Projekt nicht loslässt.
Wir arbeiten seit längerem mit TILISCO zusammen. Aus dieser Partnerschaft ist schon Ready4PPWR entstanden, ein Fach-Chatbot, der Detailfragen zur Verpackungsverordnung beantwortet, präzise und ohne Halluzinationen. Beim Compliance Compass ging es um den nächsten Schritt: nicht mehr Fragen beantworten, sondern die Pflicht selbst erledigen.
Für mich ist das die Sorte KI-Einsatz, an die ich glaube. Keine Demo, kein Chatbot-Spielzeug, sondern ein System, das eine konkrete gesetzliche Pflicht für ein Unternehmen abarbeitet. Die Fachleute prüfen und entscheiden weiter selbst, aber sie tippen keine Werte mehr ab.
Wen das betrifft.
Kurz gesagt: mehr Unternehmen, als man denkt. Die PPWR trifft nicht nur Verpackungshersteller, sondern jeden, der verpackte Ware in der EU in Verkehr bringt, vom Konsumgüterhersteller bis zum Händler mit Eigenmarken. Hinter R-Cycle stehen bereits über 50 Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette, und der Compass baut auf offenen GS1-Standards auf, damit die Daten zwischen den Beteiligten austauschbar bleiben.
Die zentrale Erkenntnis aus dem Projekt, die weit über Verpackungen hinaus gilt: Die Regulierung ist selten das eigentliche Problem. Das Problem ist fast immer die Verfügbarkeit und Qualität der eigenen Daten. Wer das gelöst hat, erledigt die Pflicht nebenbei.
Mehr zum Compliance Compass gibt es bei R-Cycle und in der Case Study zum Compliance Compass. Und wie die Zusammenarbeit mit TILISCO angefangen hat, steht in unserer Ready4PPWR-Geschichte.



